Lukas Kwasniok nahm bewusst Druck aus der Sache. "Das ist für ihn persönlich ein unfassbar harter Schicksalsschlag", sagte der Trainer des 1. FC Köln, nachdem sich sein Spieler Luca Kilian zum bereits dritten Mal das Kreuzband gerissen hatte. Der Coach warb um Ruhe: "Wir sollten ihn einfach mal durchatmen lassen. Er muss mit der Situation erst mal klarkommen. Wie es dann weitergeht, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen."
Aufbauende Worte, die Kilians Gefühlslage vermutlich aber nur wenig verbessern können. Patrick Fabian jedenfalls ging es so: Der Ex-Profi absolvierte zwischen 2008 und 2020 insgesamt 157 Einsätze für den VfL Bochum - und riss sich sogar viermal das Kreuzband. Dreimal in Folge das auf der rechten Seite, dann das auf der linken.
Galgenhumor als erste Reaktion
"Nach dem ersten Kreuzbandriss versuchst du irgendwie noch, das Positive zu sehen. Du sagst dir: "Okay, das ist jetzt eine neue Erfahrung. Ich lerne meinen Körper noch mal kennen, ich lerne eine ganz andere Seite des Sports kennen. Beim Dritten wird es dann natürlich schwer, im ersten Moment irgendetwas Positives zu sehen", sagt der 37-Jährige, der inzwischen als administrativer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Fortuna Düsseldorf tätig ist.
Nur 16 Monate lagen bei Fabian zwischen dem ersten und dem dritten Kreuzbandriss, bei Kilian sind es nun 17. "Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll und habe mich in Galgenhumor geflüchtet", erinnert sich Fabian, der wie Kilian als Innenverteidiger unterwegs war. "Ich wollte dann aber tatsächlich auch erst mal keine Ratschläge oder so dieses "come back stronger" und so hören. Da denkst du dir nur: 'Was für ein Blödsinn'. Ich bin dann erst mal mit Freunden weggefahren, um etwas Abstand zu gewinnen."
Gleiche Verletzung, anderer Ablauf
Eine komplizierte Situation, die auch mental belastend sein kann. "Mir hat es geholfen, den Moment so zu akzeptieren", sagt Fabian, "ich glaube, dass es nicht weiterhilft, in Selbstmitleid zu versinken, sondern eher zu skizzieren, was als Nächstes passiert." Im Regelfall eine Operation, dann eine Reha - und trotzdem ist nach solch schweren Bänderverletzungen nie sicher, dass es mit der vollständigen Rückkehr klappt. "Man muss sich einmal davon freimachen, irgendetwas zu müssen", rät Fabian deshalb und sagt: "Man kommt auch mit einem kaputten Kreuzband eine Zeit lang gut durchs Leben. Die Ehrlichkeit zu sich selbst ist wichtig, zu sagen: Habe ich die Kraft für diesen Prozess, oder nicht? Ich glaube aber, dass Leistungssportler oft schon den Willen haben, sich da wieder reinzubeißen."
Um nicht wieder im selben Umfeld zu sein, veränderte Fabian beim dritten Mal seinen Reha-Prozess und wechselte den Operateur. "Der davor hatte gar nichts falsch gemacht, aber es war mir wichtig, einfach nicht wieder denselben Ablauf zu durchleben. Mir hat es nach dem dritten Kreuzbandriss gutgetan, das etwas anders zu gestalten." Fabian arbeitete früher mit dem Ball als zuvor, bezog einen neuen Therapeuten und einen engen Freund in den Prozess mit ein, um schneller wieder Wettkampf-Charakter in den Einheiten zu haben.
Ein Tränchen nach dem Comeback
Mit Erfolg: Zwei Wochen nach seiner Rückkehr erzielte Fabian sein erstes Profitor beim 1:1 des VfL gegen Dynamo Dresden, fortan war der gebürtige Hagener drei Jahre lang Stammkraft - und das Kreuzband hielt. Das Gefühl, eine besondere Leidenszeit überstanden zu haben, kam allerdings erst mit etwas Verzögerung auf. "Als ich das erste Mal wieder auf dem Platz war, hatte ich gar nicht das Gefühl, dass es etwas Besonderes ist", schildert Fabian. "Das kam erst mit Abstand, als ich gegen Dresden meinen ersten Profitreffer erzielt habe. Da kam abends zu Hause auch mal ein Tränchen, weil ich dachte: 'Das ist ja Wahnsinn, was hier gerade passiert'."
Worte, die Pechvogel Kilian Mut machen dürften. Die Unterstützung der Kölner hat der 26-Jährige jedenfalls. "Als FC-Familie werden wir ihn eng begleiten, ihm bestmögliche Unterstützung geben und gemeinsam dafür sorgen, dass er die nötige Kraft findet, um diesen erneuten Rückschlag zu meistern", betonte Sportdirektor Thomas Kessler. Dass das keine leeren Worte sind, hatten die Kölner bereits bewiesen - und nach Kilians zweitem Kreuzbandriss dessen Vertrag bis zum Sommer 2026 verlängert.