Nagelsmann äußerte sich am Samstag über …
… die Stellschrauben, an denen er nach der Slowakei-Pleite gedreht hat:
Wir haben einige Gespräche geführt. Mit einzelnen Spielern, aber auch mit der gesamten Mannschaft. Jeder hat sich ausgetauscht, auch die Mannschaft hat untereinander ein paar Dinge geklärt - was sehr wichtig ist. Wir haben uns aber natürlich auch den Gegner angeschaut und eine Idee entwickelt, wie wir spielen wollen. Es wird inhaltlich keine komplett veränderte Mannschaft geben, personell aber wird sich sicher etwas ändern. Und dann müssen wir ein besseres Spiel machen als das am Donnerstag in der Slowakei.
… die Gründe für die personellen Wechsel:
Es gibt auch den Ansatz, nichts zu tauschen, damit die Mannschaft Wiedergutmachung betreiben kann. Ich habe mich für den anderen Ansatz entschieden, denn ich habe mehr Spieler im Kader als nur zehn und schenke ihnen Vertrauen. Wir müssen die richtigen Spieler finden, die passend sind für die Situation.
… den Gegner Nordirland:
Sie haben einen klaren Plan. Wenn sie etwa den zweiten Ball gewinnen, dann spielen sie schnell hinter die Linie. Grundsätzlich legen sie nicht viel wert auf Ballbesitzphasen. Sie sind stark bei Standards. Für uns wird es deshalb wichtig sein, bei ruhenden Bällen gut zu verteidigen und den Raum hinter der letzten Kette gut abzusichern.
… die inhaltlichen Probleme gegen die Slowakei:
Wir waren nicht aggressiv genug nach vorne. In der ersten Hälfte haben wir zwei Bälle in die rote Zone gespielt, im zweiten Durchgang maximal drei. Das führt dazu, dass du dir nur wenig Power holen kannst. Es wirkte wie ein Ballbesitzspiel ohne Tor. Aber da stand eins - und da müssen wir dann auch hinspielen.
… die Einstellungsfrage:
Das Schwierige an dem Thema ist, dass es sehr haltlos ist. Es ist nur ein Wort und etwas sehr Subjektives. Die Möglichkeiten eines Menschen, einen anderen zu motivieren, sind begrenzt. Aber es hilft, wenn du versuchst, dich in den Spieler hineinzuversetzen, wenn du empathisch bist. Und dann geht es aus Trainersicht darum, den Spielern etwas an die Hand zu geben, was es ihnen erleichtert, emotional zu spielen. Wir haben viele Dinge identisch zu den vergangenen anderthalb Jahren gemacht, wenn auch mit verändertem Personal. Jeder einzelne muss die Körner bei sich sammeln, um dann auch den Nebenmann anzuzünden. Das geht viel über die Kommunikation. Die kann da sehr helfen.
… seinen Eindruck, ob er in die Köpfe seiner Spieler gekommen ist:
Ich gehe schon davon aus, aber das wird man am Sonntagabend sehen. Ich hatte auch vor dem Slowakei-Spiel nicht das Gefühl, dass da gähnende Leere war. Wir haben am Dienstag sehr gut trainiert, am Mittwoch dann normal. Es geht ja auch um die Anwendung. Ich habe in Mathe auch immer viel gewusst, aber nicht immer alles angewendet.
… Spieler, die emotionale Motoren sind:
Es ist eine meiner Aufgaben nach dem Slowakei-Spiel gewesen, den Kader zu sortieren. Ein weniger emotionaler Spieler muss ja nicht gleich schlecht sein. Es geht darum, zu schauen, was das Spiel braucht. Danach wählst du die Spieler aus. Wir haben Führungsspieler, auch andere Spieler können das aufgrund ihres Naturells. Ich habe mit ihnen gesprochen und ihnen gesagt, dass sie das ausleben dürfen, auch wenn sie am Donnerstag keinen perfekten Tag hatten. Den hatten wir alle nicht.
„Ich bin überzeugt, wir spielen besser als am Donnerstag.“ (Julian Nagelsmann)
… die Angst, bei einer weiteren Niederlage möglicherweise seinen Job zu verlieren:
Angst zu haben ist nie gut. Ich möchte jedes Spiel gewinnen. Das werden wir Sonntag versuchen. Das Team ist wichtig, nicht ich. Ich bin überzeugt, wir spielen besser als am Donnerstag.
… die Kritik an seinem Wirken:
Ich habe nichts gelesen. Aber ich glaube, ich bin intelligent genug, um zu wissen, was in der Medienwelt geschrieben wird. Ich weiß ja auch, wie das funktioniert. Wenn Nnamdi Collins ein Topspiel gemacht hätte, hätte man den Bundestrainer für seinen Mut gefeiert. Hätten wir schlecht gespielt, aber gewonnen, wäre die Kritik auch 50 Prozent weniger gewesen. Die Kritik muss ich mir gefallen lassen. Ich werde deshalb meinen Stil nicht ändern, sonst wäre ich ja der Trainer des Journalistenteams.
… das Personal am Sonntag:
Ich will nicht so viel verraten. Wir haben bis jetzt noch nicht wieder gemeinsam trainiert. Ich möchte schauen, wie die Jungs drauf sind. Natürlich habe ich eine gewisse Idee, wir werden die Spieler im Training auch auf diese Positionen stellen. Aber ich schaue mir auch an, wie sie drauf sind, etwa im 7-gegen-7. Oliver Baumann wird im Tor beginnen, bei vielen anderen gibt es noch Fragezeichen. Ich will das Abschlusstraining abwarten, sonst könnten wir ja auch im Hotel bleiben.
… Florian Wirtz:
Flo ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Er hat am Donnerstag viel probiert und wird das am Sonntag wieder tun. Wir haben nicht über die Szene vor dem 0:1 gesprochen. Wenn wir das getan hätten, hätte ich ihm gesagt, dass er sich da fallen lassen muss, denn er wurde klar gefoult. Da müssen wir cleverer sein. Es ist ärgerlich, dass wir danach das Gegentor bekommen haben, aber das haben wir nicht bekommen, weil er an der Mittellinie diskutiert hat. Flo ist einer unserer wichtigsten Spieler.
… Nick Woltemade:
Ich bin glücklich, wenn er und Flo in England viele Minuten spielen. Für die Bundesliga ist es nicht gut, wenn solche Spieler nach England gehen. Aber das ist normal heutzutage. Nick ist neu bei uns dabei. Er hat ein gutes U-21-Turnier gespielt, jetzt muss er auf dem neuen Niveau performen. Er wird in Zukunft wichtig für uns werden. Es war ein großer Wechsel für ihn. Ich hoffe, er kann in Newcastle direkt viel und von Anfang an spielen.
… den unglücklichen Debütanten Nnamdi Collins:
Ich will nicht zu viel verraten, aber ich habe ja schon nach dem Slowakei-Spiel gesagt, dass es nicht an ihm lag. Natürlich hat er keine gute erste Hälfte gespielt. Da waren Verteidigungssituationen dabei, die er besser lösen kann. Das weiß er aber auch.
… den angeschlagenen Serge Gnabry:
Er hat eine Quetschung am Ellbogenköpfen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass ihn das am Sonntag behindert. Bei der Begrüßung heute habe ich nicht gemerkt, dass er einen hängenden Arm hätte.