Vor einem Jahr hatte der Kiez-Klub ebenfalls am 3. Spieltag gegen Augsburg gespielt, auswärts 1:3 verloren und danach immer noch null Punkte gehabt. Zum gleichen Zeitpunkt der neuen Spielzeit sind es bereits sieben Zähler, und fast noch wichtiger ist: Diese sind nicht das Ergebnis eines Laufs oder glücklicher Umstände, sondern die logische Folge einer kontinuierlichen Entwicklung.
Trotz des Sieges regierte Selbstkritik
Der hart umkämpfte Dreier gegen den FCA soll den Entwicklungsprozess am Millerntor zusätzlich beschleunigen. "Spiele wie gegen Dortmund und den HSV", sagt Abwehr-Chef Eric Smith, "sind Highlights für uns, aber Partien wie die gegen Augsburg sind genau diejenigen, die wir in der Bundesliga gewinnen müssen." Und sie gewinnen sie inzwischen selbst dann, wenn nach eigenem Empfinden eine beträchtliche Mängelliste besteht. Smith findet: "Es war nicht unser bestes Spiel."
Mit dieser Meinung steht der Schwede nicht allein da. Sein Nebenmann Hauke Wahl bilanziert selbstkritisch: "Wir sind nicht gut in die Partie gekommen, waren nicht zu 100 Prozent in den Zweikämpfen. Erst in der zweiten Hälfte waren wir besser in den direkten Duellen, haben auch bessere Entscheidungen getroffen." Begünstigt wurde die fraglos bessere zweite Hälfte durch Umstellungen des Trainers. Und auch diese sind ein Zeichen von gestiegener Qualität.
Alexander Blessin hatte zur Pause Andreas Hountondji gegen Martijn Kaars ausgetauscht, obwohl der Beniner im dritten Bundesligaspiel in Folge getroffen hat, weil er den Eindruck hatte, dass dieser nach seiner Länderspielreise müde war; er brachte außerdem Manolis Saliakas für den keineswegs enttäuschenden Arkadiusz Pyrka und verlieh der rechten Seite damit noch mehr Schwung.
"Die Einwechslungen von Spielern wie Martijn und Manos zur Pause zeigen einfach, wie viel Qualität wir im Vergleich zum Vorjahr dazubekommen haben", sagt Wahl. "Die Qualität und Breite im Kader ist unser ganz großes Plus." Dazu kommt aus Sicht des Routiniers: "Wir haben auch an Erfahrung gewonnen, wir wissen jetzt, wie die Bundesliga funktioniert."
In der vergangenen Saison musste St. Pauli als Aufsteiger für Siege immer ans Limit oder darüber hinaus, mitunter reichte nichtmal dies. Inzwischen ist der verstärkte Kader sogar in der Lage, Schwächephasen innerhalb einer Partie auszugleichen. "Wir können selbst dann gewinnen, wenn wir nicht unser bestes Spiel machen", sagt Smith. Es ist eine Erkenntnis, die erahnen lässt, dass St. Paulis Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.