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Was Neuer Dahmen rät - und Nagelsmann "ganz interessant" findet

kicker

Am Mittwochmorgen wurde es für ein paar Minuten mal unruhig in der Wohnung von Finn Dahmen. "Ich habe meine Freundin kurz im Homeoffice gestört und Bescheid gegeben."

Es war ja nicht irgendein Morgen im Leben des Augsburger Torhüters, der nach dem Gespräch mit DFB-Torwarttrainer Andreas Kronenberg gerade erst das Telefon zur Seite gelegt hatte. Und seinen Liebsten schnell Bescheid geben wollte über die erstmalige Berufung zur deutschen A-Nationalmannschaft.

Was genau Kroneberg erzählt hatte, bekam Dahmen ein paar Tage später nicht mehr genau zusammen. "Ich habe den Rest wahrscheinlich gar nicht mehr so wahrgenommen", sagte er nach dem 2:3 des FCA gegen den FC Bayern schmunzelnd. "Er hat gesagt, dass ich es einfach gut gemacht habe in letzter Zeit. Also ich hatte ja schon ein paar Mal mit ihm telefoniert, die Nummer war schon eingespeichert."

„Er soll einfach ruhig bleiben und so halten wie heute.“ (Manuel Neuers Tipp für Finn Dahmen)

Am Montag macht sich der 27-Jährige nun auf den Weg nach Herzogenaurach und kennt seine Rolle genau, er wird als Nummer 3 erstmal Luft schnuppern und sich im Training zeigen dürfen. "Es wäre ein bisschen vermessen, da jetzt irgendwie direkt Spielzeit zu fordern", weiß Dahmen. "Ich will das komplett genießen. Und natürlich will ich mich auch zeigen und eine gute Haltung an den Tag legen. Einfach den Jungs zeigen, dass sie sich auch im Training auf mich verlassen können."

Was in den zurückliegenden acht Monaten zumindest in Augsburg vortrefflich funktioniert hat. Erst im Januar hatte sich Dahmen den Stammplatz vom letztjährigen Sommereinkauf Nediljko Labrovic zurückgeholt und im Anschluss einen bemerkenswerten Leistungssprung hingelegt. Wo der einstige U-21-Europameister sonst noch Schwächen offenbarte (besonders in der Strafraumbeherrschung), ist er nun in jeder Hinsicht ein zuverlässiger Rückhalt für seine Mannschaft, die hinter dem FC Bayern (21 Gegentore) die zweitbeste Abwehr des Kalenderjahres stellt (23).

Nagelsmann lobt Dahmen Widerstandsfähigkeit

"Finn spielt über mehrere Jahre schon sehr stabil in der Bundesliga", lobte Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Kaders und hob bei Dahmen besonders den "interessanten Karriereverlauf" hervor, "weil er in Mainz und zu Beginn in Augsburg schon auch Widerstände überwinden musste. Das ist immer ganz interessant für das Profil eines Profifußballers, dass du nicht alles in die Wiege gelegt bekommst."

Dahmen ist der erste Wortführer in der Augsburger Mannschaft, dirigiert seine Kollegen von hinten heraus und darf sich nun unter Trainer Sandro Wagner vor allem als Fußballspieler noch mehr in Szene setzen. Was beim Topspiel gegen die Bayern schon nach 180 Sekunden beinahe gründlich in die Hose ging, als Michael Olise Dahmens Fehlpass nicht verwerten konnte. "Der Trainer sagt immer wieder, er hackt keinem den Kopf ab, wenn wir einen Fehler machen", erklärt Dahmen. "Wir gehen bewusst ein bisschen mehr Risiko ein. Es werden Fehler passieren, aber dann sind auch andere da, um es auszubügeln."

Wie ja auch er sonst da ist, um die Fehler der Kollegen auszubügeln. Obwohl Dahmen beim zwischenzeitlichen 0:3 von Olise keine allzu glückliche Figur abgab, hielt er seine Mannschaft im Verlauf in mehreren Eins-gegen-eins-Situationen im Spiel. "Er soll einfach ruhig bleiben und so halten wie heute", gab Manuel Neuer seinem Kontrahenten einen Tipp mit auf den Weg.

"Für mich persönlich ist es natürlich Wahnsinn", sagt Dahmen. "Ich bin sehr aufgeregt. Ich freue mich einfach, die ganzen Jungs kennenzulernen; auf das Niveau im Training, das hautnah mitzuerleben. Und dann hoffe ich, dass wir da zwei Siege einfahren." Erst in der Slowakei, dann gegen Nordirland. Und dann geht’s zurück ins Homeoffice.