Er war einer der vielen Transfers europaweit am Deadline Day. Ein Deal, der vielleicht in der Masse ein wenig untergeht. Jenson Seelt wechselte auf den letzten Drücker von Premiere-League-Aufsteiger AFC Sunderland zum VfL Wolfsburg. Ein neuer Innenverteidiger für den Bundesligisten, der auf die Verletzung von Denis Vavro und den Abgang von David Odogu reagierte. Intensiv hatte sich der VfL in den Tagen zuvor um den Norweger Kristoffer Ajer (FC Brentford) bemüht, letztlich kam aber der Niederländer Seelt aus Sunderland. Der eigentlich in der Heimat beim NEC Nijmegen landen sollte.
„Die Vereinbarungen waren bereits getroffen, und plötzlich sahen wir ihn im Trikot von Wolfsburg.“ (Nijmegens Geschäftsführer Wilco van Schaik über den gescheiterten Seelt-Deal)
"Das war schon beschlossene Sache", sagte Geschäftsführer Wilco van Schaik in der vergangenen Woche gegenüber ESPN zu den Verhandlungen mit Sunderland. Seelt, der in Nijmegen als Jugendfußballer seine ersten Schritte machte und später bei der PSV Eindhoven zum Profi wurde, sollte nach Hause kommen. Doch es kam zur bösen Überraschung für den Eredivisie-Klub. "Die Vereinbarungen waren bereits getroffen", so Manager van Schaik, "und plötzlich sahen wir ihn im Trikot von Wolfsburg." Per Leihe wechselte der 22-Jährige zum VfL.
Wie hat der Spieler den Wechselwirbel miterlebt? "Der Montag war ein sehr hektischer Tag", beschreibt der Neu-Wolfsburg den Deadline Day. Das Theater um die eigene Person habe er gar nicht so wahrgenommen. Eigentlich war er ohnehin davon ausgegangen, dass er in Sunderland bleiben müsse. "Ich habe nur ein wenig von meinen Beratern gehört", sagt Seelt, "es war nur eine Angelegenheit zwischen den Vereinen, zwischen Sunderland und NEC."
Und plötzlich kam der VfL um die Ecke. "Am Ende des Monats sagten mir meine Berater, dass Wolfsburg gekommen sei und sie ein sehr gutes Gefühl hätten." Seelt flog nach Deutschland, unterschrieb seinen Leihvertrag, stand zwei Tage darauf beim Testspiel gegen Paderborn (1:2) erstmals im grünen Trikot auf dem Feld. Und sagt nun: "Ich bin glücklich, bei diesem großen Verein unterschrieben zu haben."
Wolfsburg statt Sunderland und Nijmegen, Bundesliga statt Eredivise und Premier League. Seelt hat das Gefühl, eine gute Last-Minute-Entscheidung getroffen zu haben. "Ich glaube, dass dies ein wirklich guter Ort für mich ist, um mich weiterzuentwickeln, die Einrichtungen hier sind großartig, sie gehören zu den besten, die ich in Europa gesehen habe."
Seelt denkt an De Bruyne, Dzeko und van de Ven
Mit dem VfL verbindet der Neuzugang vor allem Offensivgrößen der Vergangenheit. Kevin De Bruyne nennt er, auch Edin Dzeko. Und er weiß, dass Micky van de Ven vom VfL den Sprung nach England zu Tottenham geschafft hat. "Er ist ein großartiger Spieler, also hoffe ich, dass ich das Gleiche oder Ähnliches erreichen kann."
Das liegt nun auch in den Händen von Trainer Paul Simonis, der praktischerweise Landsmann des neuen Abwehrspielers ist. Und die sich von früher kennen. "Es ist lustig, denn schon zu meiner Zeit in der NEC-Akademie haben wir gegeneinander gespielt, er war Trainer bei Sparta Rotterdam. Ich dachte immer: Ja, das könnte ein wirklich guter Trainer werden."
Der jetzt von den Vorzügen seines Neuzugangs profitieren soll. Was kann Seelt? "Ich fühle mich wohl in der Manndeckung, wenn ich viel Platz hinter mir habe", erklärt er, "ich bin ziemlich schnell, clever im Strafraum. Am Ball ist meine größte Stärke wohl mein Passspiel." Kurzum: "Natürlich muss ich noch an einigen Dingen arbeiten, ich denke aber, dass ich ziemlich komplett bin. Deutschland ist ein sehr guter Ort für mich, um mich weiterzuentwickeln."
Eine Entwicklung, die in der vergangenen Saison jäh gestoppt wurde. Wegen eines Kreuzbandrisses verpasste er praktisch ein komplettes Jahr. Groß darüber sprechen mag er nicht. "Ich möchte das vergessen, ich habe noch viel vor."
In Wolfsburg will er schnell einen Stammplatz erobern, wenngleich er betont, dass es Moritz Jenz und Konstantinos Koulierakis zuletzt gut gemacht haben. "Es wird nicht einfach für mich sein, direkt in die Startelf zu kommen", weiß Seelt. "Aber ich habe dem Trainer gesagt, dass ich bereit bin."
Seelt kennt Bellingham aus Sunderland
Am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) kommt der 1. FC Köln in die Volkswagen-Arena, anschließend geht es zu Borussia Dortmund. Ein Spiel, das Seelt schon im Kopf hat. Schließlich kommt es dort zum Treffen mit Jobe Bellingham, mit dem er in Sunderland zusammengespielt hat. Noch hatten sie keinen Kontakt seit seinem Wechsel nach Wolfsburg. Seelts Plan: "Zuerst konzentriere ich mich auf Köln, dann schreibe ich ihm."