Es hat lange gedauert, bis der SV Werder Bremen die dringend benötigte Verstärkung für den Sturm verpflichten konnte - doch anders als kurz vor Transferschluss wäre die Möglichkeit, Victor Boniface von Bayer Leverkusen auszuleihen, kaum zu realisieren gewesen, heißt es.
Nachdem Bayer erst gegen Ende der Wechselperiode die Tür für eine Leihe doch noch geöffnet hatte, signalisierten mehrere Bundeslisten Interesse an einer Verpflichtung des nigerianischen Angreifers, der in der Meistersaison 2023/24 14 Treffer in 23 Spielen zum Titelgewinn beigesteuert hatte.
Auf den letzten Metern sicherten sich hierbei also die Bremer den Zuschlag für eine einjährige Leihe ohne Kaufoption. Zudem übernehmen die Leverkusener weiterhin Teile des Gehalts von Boniface. Ein außergewöhnlicher Deal für den Klub von der Weser.
Boniface: Torgarantie unter einer Voraussetzung
Bei Werder war der Bedarf für eine Verstärkung auf der Position des Mittelstürmers seit Wochen erhöht, insbesondere nachdem der sich bereits lange abzeichnende Abgang von Topscorer Marvin Ducksch vor über drei Wochen nach Birmingham über die Bühne ging.
Die aktuellen Alternativen im Bremer konnten bislang kaum überzeugen: Keke Topp kam nach schwacher Saisonvorbereitung als Startspieler bislang nicht infrage, Justin Njinmah ist unter Coach Horst Steffen eher auf dem offensiven Flügel eingeplant und Marco Grüll strahlte in vorderster Front bislang nicht ausreichend Torgefahr aus.
Nun also Boniface, ein echter Zielspieler mit Torgarantie - vorausgesetzt, er ist spielfit. Zweifel an der körperlichen Verfassung des 13-maligen Nationalspielers waren in diesem Sommer ja vor allem aufgrund seines geplatzten Transfers zur AC Mailand aufgekommen. Die Italiener hatten sich nach dem Medizincheck gegen eine Leihe inklusive Kaufoption entschieden. Das rechte Knie des Angreifers hatte Auffälligkeiten gezeigt. Zwei Kreuzbandrisse stehen bereits in Bonifaces Vita.
Nach den von Werder durchgeführten Checks gab es jedoch wiederum grünes Licht - demnach soll er keine große Anlaufzeit benötigen. Auch wenn vielleicht die Spielpraxis fehlt.
Keine englischen Wochen in Bremen
Für Bayer kam der 24-Jährige schließlich zuletzt im April in einem Pflichtspiel zum Einsatz; die vergangene Saison beendete er mit 19 Bundesliga-Einsätzen und acht Treffern. In der Vorbereitung kämpfte Boniface noch bisweilen mit Belastungsproblemen, die jedoch nicht von schwerwiegender Natur gewesen sein sollen. In Bremen erachtet man seinen Zustand indes als "voll im Saft" stehend. Zugute dürfte ihm ebenfalls kommen, dass er keine englischen Wochen zu bestreiten hat. Ein Restrisiko bleibt dabei freilich trotzdem.
Für Leverkusen wäre der Wechsel nach Mailand freilich die (wirtschaftlich) attraktivere Option gewesen. Dass man Boniface nun trotzdem ziehen ließ, hat auch mit der sportlichen Perspektive bei seinem Stammverein zu tun. "Die Situation ist mit der Konkurrenz von Patrik Schick und Christian Kofane schwierig für ihn", hatte Bayer-Geschäftsführer Simon Rolfes erklärt.
Durch die Leihe nach Bremen bestehen nun die Chancen darauf, dass Boniface seine Fitness und seine Qualitäten in der Bundesliga weiterhin bestätigt - und seinen Marktwert für Bayer dadurch mindestens erhält. Werder wiederum bekommt einen Spieler, der ohne die bisherige Vorgeschichte und zu einem früheren Zeitpunkt der Transferphase wohl kaum hätte verpflichtet werden können.