Es war rund um dieses brisante Millionenspiel am 34. Spieltag der vergangenen Saison ein wenig untergegangen. Am Ende verlor der SC Freiburg das Endspiel um ein Champions-League-Ticket gegen Eintracht Frankfurt verdient mit 1:3. Vor allem, weil nach eigener Führung und dem unglücklichen Ausgleich direkt vor dem Pausenpfiff in der zweiten Hälfte offensiv viel zu wenig Gefahr von Julian Schusters Mannschaft ausging, die obendrein defensiv in den entscheidenden Szenen die Eintracht nicht stoppen konnte.
Es ist natürlich völlig hypothetisch, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte bei Freiburg, wie zuvor gewohnt, Patrick Osterhage als offensiverer Part der Doppelsechs in der Startelf gestanden. Der Sechser war jedenfalls kurzfristig krank ausgefallen für dieses große Spiel. Vermutlich hätte es für den SC auch mit Osterhage nicht für einen Sieg gereicht, der für die Königsklasse nötig gewesen wäre.
Osterhages Ausfall war auch deshalb zunächst kein großes Thema, weil sein Vertreter, Johan Manzambi, auffällig agierte. Zunächst fiel der erst 19 Jahre alte Schweizer Senkrechtstarter positiv auf mit Präsenz, Ballsicherheit, Mut und Spielfreude. Später hatte Manzambi allerdings auch seinen Anteil am 1:3.
Manzambi mit Schwächen im Defensivverhalten
Inzwischen hat Manzambi auch in der neuen Bundesliga-Saison zweimal Osterhages in der vergangenen Saison eroberten Stammplatz neben Maximilian Eggestein eingenommen - und wie fast alle seine Kollegen seinen Anteil am krachenden Fehlstart durch das 1:3 gegen Augsburg sowie die in allen Bereichen erschreckende Bruchlandung beim 1:4 in Köln.
Manzambi fällt weiterhin durch gute, auch überraschende Aktionen am Ball auf, die aber gerade von nicht ausreichendem Defensivverhalten überlagert werden. Vor Augsburgs Führungstor unterlief ihm in der gefährlichen Grenzregion zum eigenen Abwehrdrittel ein vermeidbarer Ballverlust, in Köln sah er insbesondere beim dritten Gegentor, wie andere, nicht gut aus.
Osterhage behauptete sich im Sommer gegen Röhl und Manzambi
Insgesamt sorgt Manzambi nicht für die nötige Stabilität auf der Doppelsechs, scheint mit seinen Stärken weiter vorne besser aufgehoben. Auf der Zehn hat er ja auch bisher seine besten Spiele für den SC absolviert. Womit wir wieder bei Osterhage wären. Dieser hat auch in seiner zweiten Vorbereitung seinen Platz zunächst behauptet, gegen Manzambi und den hoch veranlagten und auf den letzten Drücker für bis zu 25 Millionen zum FC Everton gewechselten Merlin Röhl. Das will etwas heißen.
Es gibt eben gute Gründe, dass Schuster bei der Generalprobe gegen Osasuna und beim souveränen 2:0-Sieg im Pokal bei den Sportfreunden Lotte für Osterhage wieder ein Startelfmandat reserviert hatte. Der im Sommer 2024 für 4,8 Millionen Euro aus Bochum geholte, frühere U-21-Nationalspieler steht für die verlässliche Stabilität, die im Mittelfeldzentrum nötig ist.
Starke Leistungen im Saisonendspurt
Dank seiner Schnelligkeit kann Osterhage im Rückwärtsgang Laufduelle gewinnen und erfüllt damit in der Kontersicherung eine wichtige Funktion. Außerdem steht er für wichtige Ballgewinne durch gutes Antizipieren und eine insgesamt gute Balance zwischen Offensive und Defensive. Der 25-Jährige fällt mit seiner Spielweise nicht immer auf, er steigerte sich allerdings kontinuierlich in seiner ersten Freiburger Saison, minimierte seine Fehler und erhöhte auch seinen Einfluss aufs Angriffsspiel.
Im finalen Saisondrittel zählte Osterhage konstant zu den besten SC-Profis und hatte damit entscheidenden Anteil an der Qualifikation für die Europa League. Beim 2:1 in Gladbach erzielte er sein einziges Saisontor, präsentierte sich auch beim 1:0 in Wolfsburg und dem 2:2 gegen Leverkusen in starker Form. Und fehlte dann eben überraschend gegen Frankfurt.
Diese Saison bremsten ihn nach dem Pokalspiel muskuläre Probleme aus. "Das sind keine großen strukturellen Verletzungen, eher Kleinigkeiten, sodass sie relativ schnell wieder da sind", hatte Schuster nach dem ersten Spieltag mit Blick auf Osterhage und den aus dem gleichen Grund fehlenden Niklas Beste gesagt. Osterhage trainiert daher auch seit vergangenem Freitag wieder mit der Mannschaft und dürfte im Testspiel am morgigen Freitag gegen Luzern zum Einsatz kommen.
Wenn alles nach Plan läuft, steht Osterhage für das wichtige und richtungsweisende Heimspiel gegen Landesrivale Stuttgart wieder zur Verfügung. Nach saisonübergreifend drei Liga-Niederlagen in Serie ohne ihn, könnte seine Rückkehr beim angestrebten Umschwung helfen. Osterhage ist jedenfalls gerade einer von mehreren Hoffnungsträgern beim SC.