Es sind nur die Eindrücke aus zwei Trainingseinheiten und ausgiebigem Videostudium. Dazu noch Gespräche mit seinen aktuellen (Rogier Meijer, Sergi Runge) sowie seinem Co-Trainer aus Mainzer Zeiten Keld Bordinggaard, der als Leiter der Trainerakademie bei Bayer 04 fungiert. Mehr Input steht Kasper Hjulmand abgesehen von Einzel- und Gruppengesprächen nicht zur Verfügung, wenn er seine Entscheidungen bezüglich seiner ersten Startelf als Bayer-Trainer treffen muss. Doch darunter findet sich die eine oder andere knifflige.
Andrich dürfte gegen Frankfurt beginnen
Bei der Aufstellung für sein 3-4-2-1-System stellen sich mindestens zwei. Während im Tor mit Mark Flekken und in der Dreierabwehrkette mit Edmond Tapsoba, Loic Badé und Jarell Quansah die Besetzung klar sein dürfte, ist die Besetzung auf der Doppelsechs zumindest zum Teil offen. Andrich dürfte als einer der wenigen verbliebenen Führungsspieler am Freitag beginnen. Dem bisherigen Kapitän, den Hjulmand nicht entmachtete, aber auch nicht im Amt bestätigte, jetzt das Startelfmandat zu entziehen, wäre brisant. Doch wer spielt neben ihm?
Der argentinische Last-Minute-Einkauf Ezequiel Fernandez hat den Vorteil, während der Länderspielphase in Leverkusen trainiert zu haben, ist aber neu und am unerfahrensten, was die Bundesliga betrifft. Aleix Garcia, könnte als Pass- und Standardspezialist gegen defensiv erwartete Frankfurter wertvoll sein.
Doch vieles spricht für den argentinischen Weltmeister Exequiel Palacios, obwohl dieser nach seiner Länderspielreise genauso wie Innenverteidiger Edmond Tapsoba erst am Donnerstag wieder zur Mannschaft stieß. So erklärte Hjulmand eindeutig: "Ich sehe nicht wirklich ein großes Problem in einer verpassten Trainingseinheit. Ich habe mit beiden gesprochen. Es wird nichts ganz Neues geben in der Art und Weise wie wir spielen wollen. Ich sehe keinen Nachteil in dieser Hinsicht."
Trotz Last-Minute-Rückkehr spricht vieles für Palacios
Die Präsenz und die Defensivstärke des 26-Jährigen sowie seine herausragenden Qualitäten im Gegenpressing könnten essentiell werden gegen die Eintracht, um defensiv gegen wohl auf Konter setzende Hessen nichts anzubieten und selbst schnelle Ballgewinne zu erzielen, die die Chance offerieren, gegen einen gerade in die Offensive umschaltenden Gegner die Räume zu schaffen, die aus dem normalen Aufbauspiel heraus nur selten vorzufinden sein dürften.
Die zweite offene Frage ist die nach dem zweiten offensiven Mittelfeldspieler hinter Sturmspitze Patrik Schick. Dort sollte US-Nationalspieler Malik Tillman gesetzt sein, der nicht auf Länderspieltour unterwegs war. Doch für den zweiten Platz bewerben sich gleich drei Kandidaten.
Verändert Echeverris vorgezogene Rückkehr die Rangfolge auf der zweiten Zehn?
Klar die besten Karten zu haben schien bis zum Mittwoch Eliesse Ben Seghir, der nach seinem 32-Millionen-Euro-Wechsel von der AS Monaco seine erste Einheit als Bayer-Profi absolvierte. Schließlich musste man bis dahin davon ausgehen, dass Claudio Echeverri wie Palacios erst am Donnerstag wieder in Leverkusen aufschlagen würde. Doch da das von Manchester City ausgeliehene 19-jährige Toptalent beim Spiel der Albiceleste in Ecuador nicht im Spieltagsaufgebot stand, kehrte Echeverri vorzeitig nach Deutschland zurück und war beim ersten Training unter Hjulmand mit am Ball.
Auf wie viel argentinischen Tango setzt also Hjulmand? Nur auf Palacios oder auch auf Echeverri? Letzteres wohl eher nicht. Sollte doch der besser im Spielrhythmus befindliche Ben Seghir die größeren Chancen gegenüber Echeverri besitzen. Genauso wie gegenüber dem von Hertha BSC gekommenen, aber noch Entwicklungszeit benötigenden Ibrahim Maza (19) und Routinier Jonas Hofmann (33), der nach Oberschenkelverletzung ins Training zurückgekehrt ist.
Hofmann dürfte erst gegen Gladbach ein Kandidat sein
Allerdings möchte Bayer bei diesem kein Risiko eingehen, nachdem der Rechtsfüßer vergangene Woche einen Rückschlag erlitten hatte. Hofmann dürfte am Sonntag in einer Woche gegen Gladbach wieder ein Kandidat sein. Gegen Frankfurt spricht so Vieles für das 67-Millionen-Duo Tillman/Ben Seghir - und damit gegen den doppelten Tango.