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"Zwei schlechte Einheiten": Bülter hätte fast nicht gespielt

kicker

Vor einigen Monaten war der 1. FC Köln drauf und dran, den sichergeglaubten Bundesliga-Aufstieg noch zu verspielen. Mit biederem Fußball unter Trainer Gerhard Struber war zwischen dem 28. zum 32. Spieltag 2024/25 nur noch ein Sieg geglückt.

Die Folge: Struber-Entlassung samt Beben, die Installation von Retter Friedhelm Funkel, zwei finale Siege (2:1 in Nürnberg und 4:0 gegen Kaiserslautern) und die ersehnte Rückkehr als Zweitliga-Meister ins deutsche Oberhaus.

Dort aufgeschlagen war man vor einer Woche am 1. Spieltag beim späten 1:0 in Mainz allerdings mit Coach Lukas Kwasniok, während der eigentlich weiterhin als Trainer zur Verfügung gestandene Funkel an diesem Sonntag beim Duell mit Freiburg als Ehrengast auf der Tribüne saß. Und von dort sah, wie der "Effzeh" als eindrucksvoll auftretender Aufsteiger den Favoriten aus dem Breisgau mit satt mit 4:1 wieder gen Heimat schickte.

"Schöner kann ein Sonntagabend nicht aussehen"

Vom biederen Zweitliga-Fußball war keine Spur mehr. Was auch am alles überragenden Mann Marius Bülter lag.

Der Sommerneuzugang von der TSG 1899 Hoffenheim ging über den Spielverlauf hinweg wie von ihm gewohnt als emotionaler Antreiber voran, schenkte Bälle nicht ab, legte sich zwischenzeitlich auch mal kurz mit Gegenspieler Lucas Höler an und toppte allen voran seinen Auftritt als Matchwinner vor einer Woche nochmals - mit einem genau im rechten Eck verwandelten Kopfball und zwei präzisen Vorlagen für Jakub Kaminski und Jan Thielmann.

Die Folge: lautstarke Fangesänge im mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Müngersdorfer Stadion ("Keiner wird es wagen, den 1. FC Köln zu schlagen") und überglückliche Spieler wie etwa 3:0-Schütze Thielmann. Dieser sagte nach Spielschluss DAZN: "Schöner kann ein Sonntagabend nicht aussehen."

Erst recht nicht beim Blick auf die aktuelle Tabelle. Sicherlich nur eine Momentaufnahme, doch: Nach zwei Siegen aus zwei Spielen rangieren die Rheinländer aktuell zusammen mit Meister Bayern München und Frankfurt ganz oben. Nur die beiden Champions-League-Vertreter kommen neben Köln vor der nun anstehenden Länderspielpause auf die volle Ausbeute.

Bülter selbst wollte das aber nicht überbewerten: "Wenn man mit der Art und Weise 4:1 gewinnt, dann haben wir natürlich vieles richtig gemacht." Nach erst zwei Spieltagen aber schon das zu benennen, "was gut läuft, ist schwierig", ergänzte der 32-jährige Routinier, der seine beiden Bundesliga-Tore für seinen neuen Klub obendrein als "einfach" bezeichnete - "Ich bekomme auch gute Zuspiele". Vielmehr genoss er die Stimmung im Stadion: "Das war geil, das war auch ein Grund, warum ich unbedingt hierherkommen wollte."

Führungsspieler Bülter: "Genau deswegen verpflichtet"

Dass der leidenschaftliche Bülter überhaupt für die Domstädter auf Torejagd geht, ist sicherlich in erster Linie FC-Sportdirektor Thomas Kessler zu verdanken. Der frühere Keeper äußerte sich nach dem starken Bundesliga-Start des Aufsteigers auch noch explizit zum aktuellen Garanten - und holte dafür etwas aus: "Wir haben in diesem Sommer ziemlich viel auf dem Transfermarkt gemacht, ich habe ziemlich viele Gespräche geführt und wir haben im Team ziemlich viel diskutiert über extrem viele Spieler."

Einer davon ist eben der Ende Juli verpflichtete Bülter (Vertrag bis 2027 mit Option). Kessler dazu: "Das ist natürlich super erfreulich, dass uns Marius in den ersten beiden Spielen nicht nur mit seinen beiden Toren hilft. Sondern auch so als Typ einfach unglaublich wichtig in der Kabine ist. Man sieht in den Spielen, dass er einfach Bundesliga-Erfahrung hat."

In der Rekrutierungsphase habe man in Köln deswegen bei potenziellen Neuzugängen auch Ausschau nach genau solchen Akteuren gehalten - die eben sofort vorangehen können. "Wir brauchen einfach Jungs, die die Bundesliga kennen und das in die Kabine tragen", schob Kessler noch hinterher, um wieder auf Bülter einzulenken: "Es ist umso schöner, dass er jetzt mit zwei Toren dasteht. Doch ehrlicherweise haben wir ihn genau deswegen verpflichtet."

"Dann wird das nichts": Kwasniok hat Bülter gewarnt

Kurios aber: Beinahe wäre der Führungsspieler gar nicht in der Startaufstellung gelandet. Das hatte Coach Kwasniok auf der Pressekonferenz nach dem starken 4:1-Erfolg offen zugegeben. Seine Sicht der Dinge dabei: "Er hätte fast nicht gespielt, weil er nicht gut trainiert hat. Er hatte zwei schlechte Einheiten, weil er sich noch nicht vom Mainz-Spiel erholt hatte. Ich habe ihm gesagt: Ich sehe das, du bist nicht frisch - und wenn du die Frische nicht hinbekommst, wird das nichts. Er hat aber super reagiert und es ist toll, dass wir so einen offenen Austausch haben."

Doch warum war Bülter nicht bei voller Fitness - schließlich hatte auch der Spieler selbst noch zugegeben, dass er in der 76. Minute zurecht vom Feld genommen worden war ("Ich war platt"). Kwasniok lieferte auch hier die Erklärung: "Ihm haben die harten Läufe in der Vorbereitung gefehlt, weil er verletzt war." Doch aufgrund seines späten Siegtores am 1. Spieltag in Mainz und seiner Größe "habe ich gesagt: 'Komm, gib Gas, solange du kannst.' Um es auf den Punkt zu bringen: All das schützt vor Leistung nicht."